Nachspiel (Jeffrey Epstein)
„Lord Voldemort“, so der Spitznahme von Epstein am
MIT Media Lab in Cambridge, sammelte Wissenschaftler verschiedenster
Disziplinen wie Trophäen und finanzierte sie. Epstein war nicht nur der Betreiber
eines „Garten der Lüste“ auf seiner abgelegenen Liebesinsel oder seiner Ranch
in New Mexiko, sondern setzte auch eine im Silicon Valley entstandene Tradition
fort, die in der Verbindung von Pornografie und neuen Technologien bestand.
Ging es in den 1960er und 1970er Jahren um die Verbreitung von Pornografie
durch Videotapes, ging es nun um die Mixture von Pornografie, Computer und
Computernetzwerken. Der Mann, der die Wissenschaftler, für deren Forschungen
sich Epstein interessierte, mit diesem bekannt machte, war der New Yorker
Verleger John Brockman. Auf dessen Plattform edge.org waren berühmte
Wissenschaftler versammelt, die mit einer Synthese von
literarisch-künstlerischer und wissenschaftlicher Intelligenz die „Dritte
Kultur“ bildeten, die von den
Naturwissenschaften angeführt wurde. Hier fanden sich Informatiker wie
der als scheu und zurückhaltend geltende David Gelernter, ein studierter
Judaist und Amateurmaler im Stile der von ihm bewunderten „deutschen“ Maler
Baselitz und Kiefer, der mit einer von ihm entwickelten Software den Handel und
die Analyse an der Börse revolutioniert hatte, oder Autoren wie Stewart Brand, der
als Mittler zwischen der Hippieszene von San
Francisco und der Hacker- und
Cyberkultur des Silicon Valley agierte. Auf den von Brockman organisierten Millionär- und Billionär-Dinners, das
letzte fand 2015 statt, brachte Brockman Vertreter seiner Wissenschaftselite
wie Richard Dawkins, Steven Pinker oder Craig Venter mit Hightech-Milliardären
wie Jeff Bezos, Bill Gates, Elon Musk und auch Jeffrey Epstein zusammen die
halfen, Brockmans Netzwerk zu finanzieren. In Folge dieser Treffen ging es aber
nicht nur um Kunst, Philosophie oder Technologien für die neuesten
Computernetzwerke, sondern auch um Eugenik, Steuerung der weltweiten
Überbevölkerung durch Sterilisation und eine „Wissenschaft vom Menschen“, die
Ideen der Rockefeller Stiftung, der Macy Stiftung oder der Carnegie Institution
vom Anfang des 20. Jahrhunderts zu Familienplanung und Bevölkerungskontrolle
fortsetzte. Rockefeller hatte deutsche Eugeniker wie Ernst Rüdin, Alfred
Grotjahn und Eugen Fischer finanziert und unterstützte auch die 1941 vom
Vichy-Regime in Frankreich gegründeten „Fondation Carrel“, die nach den Ideen
des französischen Nobelpreisträgers Alexis Carrel eugenische Biologie,
Soziologie, Wirtschaft und Psychologie miteinander verbinden wollte. Hier
schienen nun Ideen von Epstein, Brockman oder Wissenschaftlern wie Marvin
Minsky anzuschließen. Letzterer war einer der Begründer der KI-Forschung am MIT
und wie Epstein überzeugter Transhumanist, der zur Senkung der Überbevölkerung
die Menschheit in ein Computerprogramm hochladen wollte, um mit den neuesten
technischen Mitteln die Überbevölkerung zu begrenzen. Epstein selbst wollte
seine eugenischen Phantasien angeblich umsetzen, in dem er auf seiner Ranch in
New Mexiko junge Frauen schwängerte, um den menschlichen Genpool zu verbessern
und so die Menschheit mit Hilfe neuer Technologien (und alten Ideen) zu
veredeln. War Epstein also der perverse Lüstling und Wiedergänger des Marquis
de Sade, wie er in den Medien dargestellt wurde, sondern nicht eher ein
Werkzeug jener neuen Priesterkaste, die in Rousseaus Fußstapfen getreten war
und ihre Hoffnung auf die Lösung aller Probleme durch Wissenschaft und
Technologie setzte?
Lutz Dammbeck, Hamburg, März 2026
The Cover-Up Continues: the Truth About Bill Gates, Microsoft, and Jeffrey Epstein